Schulsozialarbeit, als ein eigenständiges Angebot der Kinder- und Jugendhilfe am Standort Schule, hat in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen. In der Stadt Stollberg sind an der „Albrecht Dürer“ Grundschule, an der Altstadtschule und am Carl-von-Bach Gymnasium Schulsozialarbeiterinnen, in Trägerschaft der Lebenshilfe Stollberg gGmbH, tätig. Unsere Aufgabe besteht darin, junge Menschen in ihrer individuellen, sozialen, schulischen und beruflichen Entwicklung zu fördern, Bildungsbenachteiligung zu vermeiden und abzubauen. Dazu gehört es auch Eltern und Lehrkräfte zu beraten und zu unterstützen.

Seit März 2020 hat sich die Situation der Schulsozialarbeit, aufgrund von andauernden Schulschließungen, massiv verändert. Besonders die Beziehungsarbeit, welche sich durch persönliche Kontakte und individuelle Gespräche auszeichnet, leidet unter der aktuellen Situation. Demzufolge galt es, innerhalb der Schulsozialarbeit neue Wege zu finden, um in Kontakt mit SchülerInnen, Eltern und LehrerInnen zu bleiben. Dafür wurden die vorhandenen digitalen Informations-/Kommunikationsmedien, soziale Netzwerke und persönliche Treffen im Freien mit einzelnen SchülerInnen oder in Kleingruppen genutzt. Zudem war es erforderlich, die sozialpädagogischen Angebote so zu konzipieren, um sie in digitaler Form anbieten zu können. Diese unterschiedlichen Formen der Kontaktaufnahme sichern die Klärung von Fragen bis hin zur sozialpädagogischen Beratung oder der Besprechung von Konfliktsituationen.

Im Austausch mit den SchülerInnen und Eltern wurde deutlich, wie schwer es die Familien mit der derzeitigen Situation hatten und immer noch haben, denn nicht alle fühlen sich der Herausforderung gewachsen. Teilweise scheitert es schon an der fehlenden technischen Ausstattung. Zudem stellen Homeoffice und Homeschooling für die Beteiligten eine enorme Belastung dar. Laut Aussagen der Kinder und Jugendlichen, fehle es vor allem an Motivation, den schulischen Alltag zu Hause zu bewältigen. Dabei spielen abhandengekommene Strukturen, Kontakte zu Freunden und Freizeitaktivitäten eine entscheidende Rolle.

Wie auch im Fall von Lara M., einer Schülerin der 6. Klasse. Ihre Mutter (alleinerziehend) berichtete, dass ihre Tochter eigentlich eine gute Schülerin ist und gern zur Schule geht. In den letzten Monaten hatte sich die Situation jedoch dramatisch verschlechtert, bei Mutter und Tochter lagen die Nerven bereits blank. Zwischen Home-Office und Lernzeit zu Hause kam es immer wieder zu Reibereien. Das fing schon morgens an. Nur durch endlose Aufforderungen gelang es der Mutter, Lara zum Aufstehen zu bewegen. Wenn sie dann endlich mit ihren Aufgaben begann, war es bereits elf Uhr vormittags. Dann dauerte es nicht lange und Lara hatte schon keine Lust mehr. Anfangs war sie noch hoch motiviert, doch nach einigen Monaten dann die Ernüchterung. Es gab nur noch Frust. Versagensängste, Erwartungsdruck und Überforderung ließen Tochter und Mutter verzweifeln. Dann wandte sich die Mutter an die Schulsozialarbeiterin. In Einzelgesprächen gelang es Lara, sich einen zeitlich strukturierten Tagesplan zu erarbeiten. Dabei war es wichtig, sich anfänglich kleine Tagesziele bei der Aufgabenbewältigung zu setzen. Und mit entsprechenden Ritualen, zum Beispiel mit Lara’s derzeitiger Lieblingsbeschäftigung „Hula-Hoop“, genügend kleine Pausen einzubauen. Durch das Zurückerinnern an die Zeit vor Corona, an die Lust am Lernen und an ihr eigenes Können, was Lara doch immer motiviert hat, konnte ihr Selbstvertrauen wieder gestärkt werden. Die Unterstützung der Schulsozialarbeiterin bestärkte Lara immer mehr, sodass sie die Schulaufgaben, die sich in der Zwischenzeit angehäuft hatten, bewältigen konnte. Um aber wieder im normalen Alltag anzukommen, braucht es weiterhin Geduld, Zeit und Zuspruch. An diesem Beispiel zeigt sich, dass die Schulsozialarbeit durch niederschwellige Angebote bei der Bewältigung des Alltages im familiären und schulischen Kontext unterstützen, beraten und begleiten kann.

Seit dem 31.05.2021 dürfen die Schüler und Schülerinnen, im Erzgebirgskreis, die Schulen wieder im Wechselmodell besuchen. In der Grundschule findet Präsenzunterricht statt. Für uns bedeutet das, die restlichen Wochen des verbleibenden Schuljahres zur erneuten Kontaktaufnahme und zur sozialpädagogischen Einzelfall- und Gruppenarbeit zu nutzen. Zudem sind erlebnispädagogische Angebote in den Sommerferien geplant.

Jetzt bleibt es nur noch zu hoffen, dass die Inzidenzwerte weiterhin sinken und wir gesund in das neue Schuljahr 2021/2022 starten können – mit wieder mehr persönlichem Kontakt, Kontinuität und Planungssicherheit für alle.

Wir sind für Sie/euch gern bei Fragen und Anliegen erreichbar und freuen uns auf Sie/euch. Unsere Kontaktdaten finden Sie/findet ihr im Flyer:

Mobile Angebote Lebenshilfe 2021

Justine Friedrich – „Albrecht Dürer“ Grundschule
Manuela Pechfelder – Altstadtschule
Sonja Kittler – Carl-von-Bach Gymnasium